Fortsetzung 4. Teil
Die Zeit von 1919 bis zum Zweiten Weltkrieg

1. Seite
2. Seite des Berichts im Burgauer Anzeiger vom 07. März 1922
Der Bericht über die Generalversammlung am 6. März 1922, erschienen im Burgauer Anzeiger vom 7. März 1922, Nr. 55, 40. Jahrgang
Dem Bericht zufolge hatte der Verein im Jahr 1921 358 Mitglieder. Damit waren nach Aussagen der damaligen Vorstandschaft ¾ aller hiesigen Familien Mitglied im Verein. Die Mitglieder wurden aufgerufen, rechtzeitig ihren Beitrag zu leisten, da ansonsten das 10fache nachgezahlt werden muss, beschlossen bei einer früheren Mitgliederversammlung. Die Schwestern machten laut ihren Aufzeichnungen 1921 1272 Krankenbesuche und hielten 51 Nachtwachen. Sie erfreuten sich allseits großer Beliebtheit. Zudem wurde die jährliche Vergütung der Krankenschwester von 680 Mark auf 1200 Mark erhöht. Aufgrund der damaligen Inflation wurde der Schwester für das Jahr 1921 eine Nachzahlung von 100 Mark gewährt und der Jahresbeitrag auf 5 Mark erhöht.
Das Vereinsvermögen beziffert sich auf 2645,10 Mark.
Der Verein existierte nunmehr 17 Jahre und Herr Hochwürden Schmidt war immer noch Vorsitzender und Herr Privatier Herb Kassierer und Schriftführer, denn auf der Versammlung wurde per Akklamation die gesamte Vorstandschaft einmütig wiedergewählt.
Danach finden wir keine Protokolle oder Berichte über die Tätigkeit des Vereins und der Pflegeschwestern im ambulanten Krankenpflegeverein mehr.
Aber in meiner Familie wurde sehr viel über eine Schwester Andusa gesprochen, die wohl nach dem Ersten Weltkrieg als Franziskanerin und in der Krankenpflege in Burgau tätig war. Ich weiß nicht, ob dies ihr korrekter Ordensname war, aber nennen wir sie einmal so.
Meine Großmutter, eine geborene Konrad, neben dieser Walter’schen Hospitalstiftung geboren und aufgewachsen, erzählte immer über diese sehr kluge und im Leben stehende Klosterfrau.
Diese Schwester war viel unterwegs, gerade auch bei Wöchnerinnen, die ausgemergelt waren, da sie jedes Jahr ein Kind bekamen. Diese Mütter hatten oft eine kleine Landwirtschaft zu versorgen, der Mann war Tagelöhner und die Familie mit einer großen Kinderschar hatte kein Geld.
Deshalb verkauften die Frauen ihre Eier, etwas Obst und Gemüse oft auf dem Wochenmarkt.
Schwester Andusa sagte dann, „… wenn sie nur ihre Eier selber essen würden, täte es ihnen sehr gut und beim nächsten Kind hätten sie ein bisschen mehr zum Zusetzen!“
Die Frauen hatten oft schmerzhafte Brustentzündungen, Kalziummangel und schwindende Kräfte.
Die Kinder litten an Läusen, fehlender Hygiene und auch an fehlendem nahrhaftem Essen.
Die Schwestern der ambulanten Pflege bettelten deshalb auch oft bei den wohlhabenderen Bäuerinnen um Eier, Schweineschmalz, Mehl, Kernseife und auch Kleidung für Babys und Schulkinder.
Die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg machte sowohl der Kommune, als auch dem Verein sehr zu schaffen. Das Geld, auch das des Vereins, wurde entwertet und die Menschen überlegten sich zweimal, ob sie das Geld für einen Vereinseintritt haben oder nicht.
Aus den Kassenbüchern von 1927 bis 1933 ist zu entnehmen, dass der Beitrag 1927 noch 1,50 Mark und dann 1929 auf 2,40 Mark erhöht wurde. Dies war ein Vermögen für eine Arbeiterfamilie.
Der Jahresbeitrag im ambulanten Krankenpflegeverein in der Stadt Burgau blieb dann bis 1943 bei 2 Mark 40 Pfennige.
Anbei ein Auszug aus den erwähnten Kassenbüchern:

Kassenbuch von 1927 bis 1933

Hochwürden Johann B. Hitzler
Stadtpfarrer in Burgau von 1929 -1939
Kassenbuch von 1934 bis 1943
Am Rande sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass das Hospital und Krankenhaus dann von 1921 bis 1928 verändert, angebaut und schließlich 1928 ein modernes städtisches Krankenhaus mit Pfründnerheim erstellt wurde.

Krankenhaus und Altersheim Burgau nach dem Neubau 1928

Krankenhaus und Pfründnerheim 1931
Wie wir aus den Unterlagen des ambulanten Krankenpflegevereins in der Stadt Burgau sehen können, agierte der Verein auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Er war gerade in den ersten Kriegsjahren, nachdem die ersten Verwundeten aus den Lazaretten nach Hause zur Weiterpflege entlassen wurden, gefragter, denn je.
Interessant ist auch, wenn man eine Chronik verfasst, zu sehen, dass bis 1945 das Kassenbuch mit den Einnahmen und Ausgaben exakt geführt wurde. Wir zeigen Ihnen Auszüge von 1944 und 1945.
Zu diesem Zeitpunkt agierte bereits Stadtpfarrer Ferdinand Iberl als Vorstand.

1944

1945
In der nächsten Fortsetzung der Chronic des Krankenpflegevereins Burgau sprechen wir dann über Hochwürden Ferdinand Iberl und die Zeit nach 1945.
Text: Irmgard Gruber-Egle, Krankenpflegeverein Josef Knöpfle
Bilder: Historischer Verein Burgau Stadt und Land e.V., Krankenpflegeverein Burgau e.V.
Irmgard Gruber-Egle
Historischer Verein Burgau Stadt und Land e. V.
Bilder und Text urheberrechtlich geschützt, kopieren und vervielfältigen nur mit Genehmigung der Urheberin