Alte Baupläne fanden über den Umweg im Blockhausturm in  Burgau, ihr eigentliches „Zuhause“ im Staatsarchiv Augsburg

Es beginnen tatsächlich viele Berichte und interessante Geschichten mit „Es war einmal…“.
Unsere tatsächlich auch. 
Vor ca. 3 Jahren bat mich Frau Pfob, unsere Schriftführerin im Hist. Verein Burgau Stadt und Land e.V., doch einmal unser Mitglied Herrn Georg Günzer anzurufen, denn er hätte für den Historischen Verein Burgau vielleicht ein paar interessante alte Baupläne.
Gesagt, getan, rief ich Herrn Günzer an. Er erzählte mir, dass er bereits vor Jahren als er als Angestellter des Staatlichen Bauamtes in Augsburg in Rente ging, kurz zuvor, noch ein paar alte Baupläne aus der Zeit von 1860 bis ungefähr 1920, vor der „Aktenvernichtung“ gerettet hätte und nun wolle er sicher sein, dass diese bestimmt sehr interessanten Pläne in die richtigen Hände kämen. Diese Pläne waren nämlich für den bereits aufgestellten Aktenvernichter vorgesehen, auch in dem Raum, in dem die Pläne bereits zur Entsorgung lagen.
Wir vereinbarten einen Termin und Herr Günzer und Herr Egle schleppten einen nicht gerade kleinen Stapel alter Pläne, teilweise im Format 1,20 m x 0,80 m, die vielen Teppen ins 4. Obergeschoss des Stadtturms hoch. Dort befindet sich der Kartenschrank unseres Vereins und ich war der Meinung, dort störten sie bis zur Sichtung auch am wenigsten.

 
Das war nur ein Teil des Stapels dieser alten Baupläne
Im 4. Obergeschoss des Stadtturms

Die erste Sichtung nahm dann unser Gründungs- und Vorstandsmitglied Herr Arno Kohl vor, seines Zeichens Architekt, und bestätigte meine laienhafte Annahme, dass es sich hier um wertvolle historische Pläne und Unterlagen handele.
Herr Kohl und ich waren dann der Meinung, dass wir auch den Archivar von Günzburg Herrn Dr. Raphael Gerhardt bitten sollten, sich diesen „Schatz“ einmal anzusehen.
Herr Kombosch (zweiter Vorsitzender des Hist. Vereins Günzburg) und Dr. Gerhardt kamen in unseren Blockhausturm.
Das Fazit ist ganz schnell erzählt, Herr Dr. Gerhardt nahm sofort Kontakt mit dem Staatsarchiv in Augsburg auf, mit Herrn Rainer Jedlitschka, und dieser dann mit mir.
Am 16. Dezember 2025 kamen Georg Günzer, der Retter dieses Kulturgutes und Rainer Jedlitschka, vom Staatsarchiv Augsburg, nach Burgau und Herr Jedlitschka  staunte nicht schlecht.
Obwohl ich ihm auch eine kleine Führung durch unseren Turm anbot, war es Herrn Jedlitschka doch enorm wichtig, so schnell als möglich die Pläne wieder die 4 Stockwerke hinunter und in seinem Auto in Sicherheit zu bringen. Er meinte jetzt kämen sie endlich „nach Hause, dahin wohin sie gehören, nach Augsburg ins Staatsarchiv“. Wieder war Herr Günzer beim Transport involviert.

 
Georg Günzer, Irmgard Gruber-Egle und Rainer Jedlitschka bei der Abholung der alten Baupläne

Wir sind Herrn Günzer über aus dankbar, dass er den kulturgeschichtlichen Wert sofort erkannte und diese Pläne mindestens, bis sie nach Augsburg kamen, fünf bis sechs Mal in den Händen hielt und herumschleppte. Wir danken Ihnen, Herr Günzer, sehr für die Rettung der Pläne und auch für ihren körperlichen Einsatz! Auch Herrn Dr. Gerhardt gilt unser Dank und die partnerschaftliche Unterstützung als Archivar der Stadt Günzburg.
Es ist schon sehr bedauerlich, dass auch bei staatlichen Behörden immer noch wertvolle, geschichtlich unwiederbringliche Objekte vernichtet werden. Als hätte nicht bereits in diesem Bereich der Zweite Weltkrieg mit der Zerbombung von unseren Städten und Archiven genügend große Löcher in die Dokumentation unserer baugeschichtlichen Bestände gerissen, sowohl bei den papierenen Zeugen, als auch bei den Gebäuden!?
Aber das Credo von Herrn Günzer und mir ist: „Wir haben alles richtig gemacht!“

Die folgenden Fotos zeigen Ihnen nur einen ganz kleinen Ausschnitt, wie diese alten Baupläne aussahen und was sie zeigten:

 

Text:    
Irmgard Gruber-Egle, Hist. Vereins Burgau Stadt und Land e.V., Herr Jedlitschka Staatsarchiv Augsburg
Bilder:    
Staatsarchiv Augsburg und Rainer Jedlitschka

Irmgard Gruber-Egle Historischer Verein Burgau Stadt und Land e. V.
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