Unsere schwäbischen Weisheiten, die uns das ganze Jahr über begleiten, sind Gott sei Dank schier unerschöpflich.
Ich werde von Ihnen liebe Leser*innen von Burgau aktuell immer wieder gefragt, ob ich nicht wieder weitere von diesen schönen alten Sprüchen habe?
Heute, zu Beginn des Jahres 2026 habe ich wieder welche ausgegraben:
Es gibt sehr viele kleinliche Mitmenschen, die an allem etwas rumzumäkeln haben, obwohl es oft nur unbedeutende „Sachen“ sind, insbesondere am Aussehen, da sagt der kluge Schwabe
A Blender gäb ebbes dafür!
Jetzt kommt sie wieder, die Hitze, mal mehr, mal weniger, aber wenn es sehr heiß ist, sagt man auch,
D‘ Hitz‘ had g’rammlad!
Und wenn man die derzeitigen Spritpreise anschaut, stimmt der Ausspruch unserer weisen Vorfahren,
Jeder Sparer, had sein Zehrer!
Als Kind hasste ich diesen folgenden Spruch, wenn ich unbedingt etwas wollte, wurde ich getröstet mit dem Satz
Sei z’frieda, mir fahrad Schlidda!
Wenn man sich nicht anstrengen muss um etwas zu bekommen, entweder weil man Glück hat oder das Schicksal einem in die Hände spielt, dann meint man
Des war aber jetzt au a g‘mads Wiesle!
Getadelt oder ermahnt, oder es wurde etwas auch damit besonders betont, wurde mit dem Spruch,
Mei liaber Scholli!
Ungeduld ist meistens eine Eigenschaft von Kindern oder auch Ehemännern, die absolute Weisheit liegt in dem Ausspruch,
Ois nach em andra, wia beim Beichda!
Lange rätselte ich über den Ausdruck,
Bolande.
Wissen Sie das ist die Bezeichnung dafür, wenn einer den Depp, Dackel, Diener und Lückenbüßer machen muss. Im Übrigen ist dieses Wort auch im fränkischen Dialekt zu Hause.
A guada Supp, weckt an Doda auf!
Soll heißen, dass eine gut zubereitete Suppe Wunder wirken kann. Wie zum Beispiel eine selber zubereitete Hühnersuppe oder auch Fleischbrühe.
Wenn Menschen über ihre Verhältnisse leben und sich nicht darum scheren, wie die übertriebenen Einkäufe bezahlt werden können, dann meint der kluge Schwabe
Ja, ja, d’r Manöverseppl zahlt alles!
Man könnte auch sagen, der große Unbekannte bezahlt es, aber im Laufe der Jahrhunderte, in denen sich die Dialekte entwickelten, haben sich die Schwaben als großen Unbekannten den „Manöverseppl“ ausgedacht.
Mitanand g’sait isch gwiss wauhr!
Auch dieses schwäbische Synonym trifft den Nagel kurz und bündig auf den Kopf. Denn man geht davon aus, dass etwas wahr sein muss, wenn es zwei oder gar mehrere miteinander sagen, wie auf Kommando.
Wir alle kennen Mitmenschen, insbesondere auch gerne Verwandte, die mit nichts aber auch gar nichts zufrieden sind, da sage auch ich immer,
Dene kotesch goldene Oir lega, nau send se no et z’frieda!
Und mit einem langgezogenen
Na, Freilee,
wird alles genau bestätigt, ohne Wenn und Aber!
I, schla’d’r da Grend wurz ra,
klingt sehr bestialisch, theatralisch und auch böse. Aber damit drückt der Schwabe seinen bodenlosen Ärger auf Jemanden aus. Und unsere Ahnen benötigten hier keine Polizei, oder gar einen Anwalt, sondern man wusste, jetzt habe ich es aber übertrieben. Ich muss einen Zahn zurückdrehen.
Wissen Sie was damit meint ist, wenn man sagt,
Des isch a Gassalacher .
Damit meint man Menschen, die in der Öffentlichkeit immer lächeln, gut aufgelegt sind, für alles Verständnis haben, aber zu Hause zu den kritischsten Zeitgenossen gehören. Hier meint der Dialekt sowohl Frauen, wie Männer.
Und wenn man denkt, heute ist wieder alles nicht so, wie es sein sollte, dann trifft der Spruch zu,
An dem Da isch alz dra, bloß koi Brems!
Und zum Abschluss wieder ein echtes, sich in Burgau zugetragenes G’schichtle:
In Burga nannte man sie das „Kischta Fiederle“. Sie war wohl eine etwas einfältige Person und erzählte gerne ihre neuesten Erlebnisse immer wieder, denn von denen gab es leider in ihrem Leben nicht allzu viele.
Eines davon war, dass ihr Bruder, der in München lebte, sie zu sich nach München einlud.
Er holte sie in Burgau ab und sie fuhren zusammen mit dem Zug nach München.
Er zeigte ihr den Englischen Garten, das Maximilianeum, die Frauenkirche und ging mit ihr auf den Viktualienmarkt. Schon in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts konnte man dort Fischsemmel kaufen. So eine Semmel erwarb der Bruder von unserem „Fiederle“ für sie und sich. Zu Hause in Burgau erzählte sie dann. „Gell en Mencha, dau isst ma verreckte Fisch ond Beer auf em Semmel!“ Die Beeren waren getrocknete Holunderbeeren, wie man sie heute noch bei eingelegten Heringen hat.
Dann lud er sie ins Hofbräuhaus ein und man bekam vor 100 Jahren noch eine weiße Stoffserviette zum Essen. Dies kannte unsere Victoria (dies war ihr richtiger Vorname) aus Burgau überhaupt nicht. Und da machte dann ihr Bruder mit ihr einen derben Spaß und sagte, dass man dieses weiße Tuch um die Schulter legen muss, damit man beim Essen nicht staubig wird. Diese „Erkenntnis“ verkaufte sie bis zu ihrem Tod, als das Non plus Ultra ihrer kulturellen Erfahrungen!
Die folgenden Postkarten sind mitunter die ältesten Postkarten, die es von Burgau gibt. Sie stammen alle aus der Sammlung von Jürgen Pommer. Der Historische Verein Burgau Stadt und Land ist Herrn Pommer für diese Zeitdokumente überaus dankbar.
Damals waren bereits Postkarten mit verschiedenen Motiven einer Stadt beliebt und man schrieb auch noch den Text auf die Karte und nicht auf die Rückseite, ungefähr bis 1905, weil die Rückseite ausschließlich für die Adresse und die Postwertzeichen vorgesehen war.

Um 1900 aufgenommen
Im Jahr 1898 erstellt

Um 1900 aufgenommen

Im Jahr 1898 erstellt

Im Jahr 1902 aufgenommen

1904
Text: Irmgard Gruber-Egle
Bilder: Historischer Verein Burgau Stadt und Land e.V., Postkarten: Jürgen Pommer, Burgau
Irmgard Gruber-Egle
Historischer Verein
Burgau Stadt und Land e. V.
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